Im ersten Halbjahr 2026 hat jedes 140. Transport- und Logistikunternehmen in Deutschland Insolvenz beantragt – fast doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Branchen. Die übliche Erklärung lautet: Managementfehler. Nach über 30 Jahren in der Branche sage ich: In der Logistik stimmt das nur bedingt.
Die Zahlen: Logistik an der Spitze
Von Januar bis Juni 2026 haben die Amtsgerichte 12.812 Unternehmensinsolvenzen registriert, 6,7 % mehr als im Vorjahr. So viele waren es zuletzt im ersten Halbjahr 2013. Keine Branche ist dabei so stark betroffen wie Verkehr und Lagerei: 71,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gegenüber 36,2 im Durchschnitt.
Und die Statistik hinkt hinterher. Die Anträge fließen erst nach der ersten Entscheidung des Gerichts ein, oft rund drei Monate später. Was heute beantragt wird, sehen wir erst im Winter.
Was das Lehrbuch sagt
Krisenursachen im Mittelstand werden meist in drei Gruppen eingeteilt: strategische Schwächen, Management- und Strukturprobleme sowie Kosten- und Finanzierungsprobleme. Als Hauptursache gelten Fehler im Management. Für viele Branchen ist das richtig.
In Transport und Logistik greift diese Erklärung zu kurz. Hier kommen die großen Kostenschocks von außen – und sie treffen eine Branche, die kaum Puffer hat.
Ein Rechenbeispiel
Diesel macht nach Angaben des Branchenverbands BGL rund ein Drittel der Gesamtkosten im Straßengüterverkehr aus. Steigt der Dieselpreis um 10 %, steigen die Gesamtkosten um etwa 3 %. In diesem Jahr lag der Preissprung zeitweise bei bis zu 28 % – das bedeutet rund 9 % höhere Gesamtkosten.
Dem steht eine Gewinnmarge von 0,1 bis 3 % gegenüber. Der Kostenanstieg frisst die Marge also gleich dreimal. Kein Betrieb spart 9 % seiner Kosten über Nacht ein, auch nicht der bestgeführte.
Dazu kommen Kosten, die politisch gesetzt sind: 47 Cent Energiesteuer und rund 20 Cent CO₂-Preis je Liter Diesel, dazu rund 35 Cent Lkw-Maut je Kilometer, davon etwa 16 Cent CO₂-Anteil.
Was Führung trotzdem in der Hand hat
Den Schock macht der Markt. Ob ein Betrieb ihn übersteht, entscheidet dann doch die Führung. Vier Hebel machen den Unterschied:
- Dieselfloater in jedem Vertrag: Preise an einen Dieselindex koppeln, damit Kostensprünge weitergegeben werden.
- Nachkalkulation je Kunde und Tour: wissen, welcher Auftrag Geld verdient und welcher nicht.
- Liquiditätsplan über 13 Wochen: Engpässe sehen, bevor die Bank sie sieht.
- Leerkilometer und Auslastung: Jeder leere Kilometer kostet Diesel und Maut.
Wenn es doch eng wird: drei Wege
Je früher ein Unternehmen handelt, desto mehr Wege stehen ihm offen.
- Außergerichtliche Sanierung: Ein externer Blick prüft Strukturen und Abläufe. Wenn Banken mitfinanzieren sollen, verlangen sie meist ein Sanierungskonzept nach IDW S6.
- StaRUG: Seit 2021 können Unternehmen bei drohender Zahlungsunfähigkeit restrukturieren, ohne Insolvenz anzumelden. Im Mittelstand ist dieser Weg noch wenig bekannt.
- Insolvenzverfahren: Mit Eigenverwaltung, Schutzschirmverfahren oder Insolvenzplan kann eine Insolvenz der Neustart sein und nicht das Ende.
Bei allen drei Wegen braucht es zwei Seiten. Anwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sanieren die Finanzen. Den Betrieb – Touren, Fuhrpark, Kosten je Kunde, Verträge – saniert jemand, der das operative Geschäft kennt. Denn ein Lkw, der steht, verdient nichts.
Sprechen wir darüber
Sie sehen erste Warnzeichen in Ihrem Betrieb, oder Sie begleiten als Berater ein Logistikunternehmen in der Krise? Ich biete Ihnen ein kostenfreies Erstgespräch an – zu Kostensenkung, StaRUG oder Sanierung.
Ronny Heitz
HTL HEITZ Transport + Logistikberatung
ronny.heitz@htl.com.de
www.htl.com.de
Quellen
- Destatis, Pressemitteilung Nr. 325 vom 11.09.2026 – Insolvenzzahlen 1. Halbjahr 2026
- eurotransport: BGL warnt vor Dieselpreisexplosion, 11.03.2026 – Dieselanteil, Kostenwirkung, Margen, Abgaben
- ADAC: CO₂-Steuer – CO₂-Preis 2026











